Barrierefrei – Mobil im Alter

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Mobilität ist wichtig. Zum einen für die Teilnahme am gesellschaftlichen und kulturellen Leben, zum anderen auch zum Austausch zwischen den Generationen. Bis ins hohe Alter mobil und aktiv zu sein, ist das Ziel vieler Senioren. Doch Gebrechlichkeit im Alter, macht es vielen Menschen schwer, dieses Vorhaben zu verwirklichen. Eine Einschränkung der Mobilität wird daher von vielen Menschen als Verminderung der Lebensqualität angesehen. Um diesem entgegen zu wirken, hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung ein Program mit dem Namen „Mobil bis ins hohe Alter – nahtlose Mobilitätsketten zur Beseitigung, Umgehung und Überwindung von Barrieren“, ins Leben gerufen, innerhalb dessen verschiedene Projekte gefördert werden, die sich mit der vorgegebenen Thematik auseinander setzen und technische Lösungen suchen. Das Program ist Bestandteil des Zukunftsprojekts „Auch im Alter ein selbstständiges Leben führen“. Ziel soll es sein, Senioren bei der Bewältigung von Wegen aller Art zu unterstützen und ihnen so durch die gewonnene Mobilität, die Selbstständigkeit im Alter zu erhalten. Für die Förderung aller Projekte hat das Ministerium 20 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Im Nachfolgenden sollen einige interessante Projekt vorgestellt werden.

Barrierefreies Reisen durch ACCESS

ACCESS soll Senioren mithilfe eines WLAN gestützten Informations- und Navigationssystems die Teilnahme am barrierefreien Tourismus ermöglichen. Durch das Projekt ACCESS soll ein für mobilitätseingeschränkte Senioren spezifiziertes Leitsystem entwickelt werden, was sie so barrierefrei wie möglich durch Städte und Gebäude führt. Nicht nur die eigene gewohnte Umgebung soll dabei berücksichtigt werden, sondern auch Reisen in fremde Städte oder Urlaubsregionen. Neuland betreten die Entwickler dabei auf dem Gebiet der Indoor-Navigation. Diese Navigation in Gebäuden wurde bisher kaum durchgeführt. Aber um ein absolut barrierefreies Bewegen zu gewährleisten, müssen die Senioren auch innerhalb öffentlicher Gebäude alle Möglichkeiten kennen, um sich so unkompliziert wie möglich durch verschiedene Etagen und Räume bewegen zu können. Erste Tests des Systems finden bereits in Koblenz, Nürnberg und Görlitz, sowie dem Landkreis Spree-Neiße statt. Diese sollen für eine rasche Verbreitung von ACCESS in ganz Deutschland sorgen. Zusätzlich zur Navigation sollen auch touristische Informationen auf den Geräten abrufbar sein. Dabei soll ACCESS auf den gängigen Smartphones und anderen Endgeräten funktionieren um das Projekt für Senioren bezahlbar zu machen und eine einfache Bedienung zu gewährleisten.

inDAgo – Freizeitmobilität durch Technik

Ein weiteres vom Bundesministerium gefördertes Projekt ist inDAgo. Genau wie ACCESS baut auch inDAgo auf technisches Zubehör. Mithilfe eines neuartigen Multifunktionsgerätes, was auf seinen Inhaber abgestimmt ist, sollen Senioren in Darmstadt bei der Bewegung im Alltag und in der Freizeit unterstützt werden. Durch verschiedene Informationsdienste und den Zugriff auf Datenbanken und Navigation, soll es den Senioren möglich sein, sich die günstigste Verkehrsanbindung zu bestimmten Orten angeben zu lassen oder sich Informationen zu Freizeitmöglichkeiten, wie Theater- oder Kinobesuch zu holen. Mobilitätseinschränkungen oder Erkrankungen des jeweiligen Besitzers, können im Gerät gespeichert werden. So kann bei der Routenberechnung alles berücksichtigt werden, um den Weg so einfach und angenehm wie möglich zu gestalten. Auch der Austausch mit anderen Senioren soll über das Multifunktionsgerät gefördert werden. Zudem bietet inDAgo eine Art Hilfssystem an. Hat man sich beispielsweise verlaufen oder einfach die Orientierung verloren, kann man ein Call-Center anrufen oder sich andere inDAgo Nutzer in der Nähe anzeigen lassen um sich Hilfe zu holen.

SenioMobil – Sicherheit durch Technik

Auch SenioMobil hat sich die Erhaltung der selbstständigen Mobilität zur Aufgabe gemacht. Das System soll ähnlich wie ACCESS auf gängigen mobilen Endgeräten funktionieren und seinem Träger jederzeit Freiheit über sein Handeln geben. Alle Endgeräte sind mit einem zentralen Server verbunden, der via GPRS-Verbindung mit ihnen kommuniziert. Die Endgeräte sollen dabei so gestaltet sein, dass sie sehr einfach per Tastendruck zu bedienen sind. Die Belegung der Tasten kann dabei von jedem Senior persönlich bestimmt und geändert werden. Anschließend wird sie auf dem Server gespeichert. Das System soll dabei besonders Sicherheit im Alltag vermitteln, da sich etwa Funktionen wie die zeitlich exakte Einnahme von Medikamenten oder die Navigation nach Hause speichern und abrufen lassen. Zudem können per Tastendruck Rufverbindungen zu bestimmten Personen oder Ärzten, Polizei und Feuerwehr aufgebaut werden. Getestet wird das Projekt im Raum Dresden und soll dort seine Funktionalität unter Beweis stellen.

ViBe – Der virtuelle Begleiter

Den physischen Begleiter, der auf dem Weg zu verschiedenen Verkehrsmitteln helfen kann, zu ersetzen, hat sich ViBe zum Ziel gemacht. Gerade wenn man im Alter aufgrund von Krankheiten oder Unsicherheiten das Auto stehen lassen und sich im Netzt des Öffentlichen Personennahverkehrs orientieren muss, schrecken viele Senioren davor zurück, längere Wege zu gehen, was ihre bisherige Mobilität enorm einschränk und sich auch negativ auf die Lebensqualität auswirkt. Da nicht immer ein physischer Begleiter in der Nähe ist, soll ViBe diesen ersetzen. Die Kombination aus technischem Hilfsmittel und Servicedienst im Hintergrund soll Sicherheit bei der Bewegung im Alltag vermitteln. Durch ein völlig neu Entwickeltes Endgerät sollen Funktionen wie Videotelefonie in Echtzeit und gezielte Navigation, sowie medizinisches Monitoring und Telemedizin bei der Betreuung der Senioren durch ViBe helfen. Durch eine bloße Software wären diese gezielten Maßnahmen nicht realisierbar.

Wheelmap.org – Rollstuhlgerechte Orte

Ein anderes, selbstständiges Projekt ist die Seite Wheelmap.org des Sozialhelden e.V. Wheelmap.org ist eine Karte für rollstuhlgerechte Orte. Jeder kann nach einem ganz einfachen Prinzip Orte suchen und eintragen, die besonders rollstuhlgerecht oder auch absolut ungeeignet sind. Ziel der Seite ist es, Menschen mit Mobilitätseinschränkungen, eine Planung ihrer Wege im täglichen Leben oder auch an fremden Orten zu ermöglichen. Dabei funktioniert die Seite nach einem ganz einfachen Prinzip. Ist ein Ort gefunden, kann dieser in verschiedene Kategorien eingeteilt werden. So zum Beispiel Verkehr, Gesundheit oder Essen. Anschließend hat man vier Möglichkeiten, den Ort einzuteilen. Grün bedeutet absolut rollstuhlgerecht. Kriterium hierfür sind sowohl ein treppenfreier Eingang, als auch das stufenlose Erreichen aller anderen Räumlichkeiten und wenn üblich, das Vorhandensein einer Rollstuhltoilette. Gelb bedeutet teilweise rollstuhlgerecht. Toiletten müssen nicht vorhanden sein und es darf maximal eine niedrige Stufe zum Eingang geben. Rot bedeutet absolut ungeeignet. Das betrifft Orte mit vielen Stufen auch innerhalb des Gebäudes, so dass die Räumlichkeiten für Rollstuhlfahrer schwer erreichbar sind. Auf der Karte finden sich aber auch grau markierte Orte. Diese sind noch keinem Status zugewiesen worden. Wheelmap.org findet man im Internet. Es gibt aber auch schon entsprechende Apps für IPhone und Android Betriebssysteme.

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