Demenz – Verlauf der Krankheit und der Umgang damit

Demenz

Aufgrund der demographischen Entwicklung in Deutschland wird der Anteil an Menschen über 70 in der Bevölkerung stark zunehmen. Viele von ihnen sind auf sich allein gestellt, weil sie keine Verwandten mehr haben oder diese sich aus den unterschiedlichsten Gründen nicht um sie kümmern können. Auch Freunde und Bekannte werden mit zunehmendem Alter weniger, weil sie sterben und ein neuer Freundeskreis nicht mehr aufgebaut wird. Hinzu kommt, dass heute auch Frauen genauso beruflich tätig und eingebunden sind wie Männer und sie deshalb als Pflegekraft der Mutter oder Großmutter nicht in Frage kommen. Oft haben auch viele jüngere Menschen nicht nur einen, sondern mehrere Verwandte, die der häuslichen Pflege bedürfen. Neben Eltern und Großeltern sind heute auch oft noch Urgroßeltern am Leben, die mit zunehmendem Alter gebrechlicher werden. Beginnt dann mit fortschreitendem Alter noch die Demenz und die Erkrankten sind auf sich allein gestellt, kann es schnell gefährlich werden, wenn zum Beispiel das Essen auf dem Herd vergessen wird oder die Orientierung versagt.

Demenz Anzeichen

Aber woran erkennt man die Anzeichen der Demenz? Grundsätzlich lässt sich kein einheitliches Krankheitsbild entwickeln. Jeder Mensch ist anders, weshalb auch die Erkrankung in ihren unterschiedlichen Formen bei jedem Erkrankten anders verlaufen wird. Im Allgemeinen lassen sich aber folgende Anzeichen für die Demenz nennen. Zum einen die Vergesslichkeit. Menschen mit Demenz verlieren meist ihr Kurzzeitgedächtnis. Oft wissen sie nicht mehr wen sie am Vormittag gesehen haben wenn sie am Nachmittag gefragt werden. Auch alltägliche Dinge wie Essenkochen werden schlicht und ergreifend vergessen. Häufig wissen die Betroffenen nicht mehr, in welcher Reihenfolge sie ihre Kleidungsstücke anziehen müssen. Große Probleme haben an Demenz Erkrankte auch bei der Orientierung. So vergessen sie wie sie nach Hause kommen, erkennen die Straße in der sie wohnen nicht wieder und verwechseln in schlimmen Fällen sogar Tag und Nacht.

Ein weiteres Anzeichen sind Sprachprobleme. Demenzkranke haben häufig Schwierigkeiten, die einfachsten Wörter zu finden und Umschreiben sie dann. Auch das Urteilsvermögen lässt nach. Situationen, wie das Wetter können nicht mehr richtig wahrgenommen werden. Das führt dazu, dass im Sommer zu viel und im Winter zu wenig Kleidung getragen wird. Wenn sich die Butter im Kleiderschrank und das Bügeleisen im Kühlschrank wiederfinden, dann ist auch das ein Zeichen für beginnende Demenz. Vielen Erkrankten fällt es schwer, den einfachsten Sachen ihren richtigen Aufbewahrungsort zuzuordnen oder sie vergessen wo sie den Gegenstand abgelegt haben. Auch das Nachkommen von Verpflichtungen, wie dem Bezahlen von Rechnungen fällt ihnen schwer, ebenso wie das Verfolgen einer Unterhaltung. Zudem gehören Stimmungsschwankungen und Persönlichkeitsveränderungen zu den Anzeichen einer Demenz. So reagieren die Betroffenen viel emotionaler als es die eigentliche Situation erfordert oder viel weniger emotional als sie es sonst tun würden. Manche Patienten sind auch plötzlich sehr ängstlich oder misstrauisch, was man von ihnen sonst nicht kannte. Und schließlich werden Menschen mit Demenz oft antriebslos. Sie verlieren die Lust an sonst so geliebten Hobbies oder dem Treffen mit Freunden. Stattdessen sitzen sie stundenlang vor dem Fenster, schlafen viel und werden depressiv. Die Ausprägung all dieser Symptome ist jedoch meist abhängig von der Tagesform des Betroffenen.

Demenz Stadien

Die verschiedenen Stadien der Demenz können unterschiedlich lange dauern. In der Regel spricht man von einer durchschnittlichen Dauer jeder Phase von etwa 3 Jahren. Die erste Phase ist das sogenannte Frühstadium. Die Betroffenen fangen an Sachen zu vergessen, sie leiden unter Sprachproblemen und werden antriebslos. Meistens merken die Erkrankten, dass sie sich verändern, wollen dies aber nicht wahr haben und versuchen die Situation zu überspielen. Im mittleren Stadium fangen die Betroffenen an sich in ungewohnter Umgebung nicht mehr wohl zu fühlen. Mit Unterstützung können sie noch zu Hause leben. Meist fallen ihnen alltägliche Tätigkeiten wie essen oder autofahren schwer. Es ist Demenzerkrankten in dieser Phase der Erkrankung nicht mehr möglich einem normalen Beruf nachzugehen. Kurz vor dem Übergang in die letzte Phase leiden die Betroffenen oft an starker Unruhe und haben das Bedürfnis endlos lange zu laufen und sich zu bewegen. Im fortgeschrittenen Stadium verlieren die Patienten dann ihre Persönlichkeit.

Si e können sich nicht mehr artikulieren, erkennen ihre Verwandten und Freunde nicht mehr und werden zum Pflegefall. Essen, Trinken, der Gang zur Toilette und die Körperhygiene sind nicht mehr selbstständig zu bewältigen. Um in diesem Stadium die gewünschten Leistungen und die vorgestellte Pflege zu erhalten, sollte man sich frühzeitig mit den Möglichkeiten der Vorsorge auseinander setzen. So empfiehlt es sich zum Beispiel eine Patientenverfügung zu erstellen um die gewünschte ärztliche Versorgung zu erhalten. Auch eine Vorsorgevollmacht kann Ungereimtheiten aus dem Weg räumen und die Pflege im Ernstfall vereinfachen.

Die „ Pflege-Bahr“ Reform – Erweiterte Leistungen bei Demenz

Mit der Verabschiedung der Pflegereform von Gesundheitsminister Bahr 2012 hat der Bundestag die 1,2 Milliarden Euro mehr für die Versorgung von Demenzkranken bewilligt. Diese solle durch die Anhebung des Beitragssatzes zur Pflegeversicherung um 0,1 % auf 2,05 % ab 01.01.2013 erreicht werden. Die Mehreinnahmen sollen laut Bahr vor allem der Versorgung und Betreuung von Demenzkranken zu gute kommen. Neue Formen des Wohnens im Alter, die sogenannten Pflege-WG‘s sollen gefördert werden. Zudem werden die Leistungen in Pflegestufe 1 und 2 für zu Hause gepflegte Betroffene erhöht. Ärzte und Zahnärzte sollen zukünftig Zuschläge erhalten, wenn sie in Pflegeheimen Patienten versorgen. Auch der freiwillige Abschluss einer Pflege-Tagesgeldversicherung soll vom Staat mit monatlich 5 € bezuschusst werden wenn mindestens 10 € monatlich eingezahlt werden. Kritisiert wurde die Reform besonders, weil die Opposition der Meinung war, dass die eigentlichen Probleme, nämlich beispielsweise fehlendes Personal, durch die Maßnahmen nicht beseitigt werden. Zudem sieht man Geringverdiener als benachteiligt an, weil sie sich auch weiterhin keine Pflegezusatzversicherung leisten können.

Projektvorstellung – „Allein leben mit Demenz“

Um Demenzkranken ein weitestgehend normales Leben in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen, wurde das vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderte Projekt „Allein leben mit Demenz“ ins Leben gerufen. Ziel war es, Menschen so zu schulen, dass sie an Demenz leidende im Alltag erkennen und ihnen die nötige Hilfe zu teil werden lassen können um sie beim Wohnen in der gewohnten Umgebung zu unterstützen. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. Selbsthilfe Demenz hat die Erkenntnisse, die aus dem Projekt gewonnen worden in einem Handbuch zusammengefasst. Dieses beinhaltet auch Broschüren mit Schulungsmaterialien für den Umgang mit Demenzkranken im Alltag für Polizei, Feuerwehr, Banken, Einzelhandel und Nachbarschaft.

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