Demographischer Wandel und Wohnen im Alter

wohnen im alter

Deutschland befindet sich aktuell in einem demografischen Wandel. Auf der einen Seite steigt die Lebenserwartung der Menschen und auf der anderen Seite sinkt die Geburtenrate. Das hat zur Folge, dass der Anteil der Bevölkerung an Menschen die älter sind als 65 Jahre in den nächsten Jahren rapide ansteigen wird und sich die Gesellschaft in allen Bereichen auf die ältere Klientel einzustellen hat. Die Vorsorge für das Wohnen im Alter ist zur gesellschaftlichen Herausforderung geworden. Eine besondere Rolle spielen dabei bezahlbare Alternativen, die einer breiten Masse angeboten werden können und deren Vorstellungen entsprechen.

Betreutes Wohnen für Senioren

Eine sich immer größerer Beliebtheit erfreuende Variante des Wohnens für Senioren, bieten verschiedene karitative und soziale Organisationen an. Dabei kann durch die Senioren eine Wohnung in einem Pflegeheim gemietet werden, welches von einer solchen Organisation betreut wird. Die Wohnungen haben verschiedene Größen, so dass auch Ehepaare gemeinsam dort einziehen können. Zudem sind die Häuser und die darin befindlichen Wohneinheiten allesamt altersgerecht ausgebaut. Die Senioren können innerhalb und außerhalb des Hauses ein völlig selbstständiges Leben führen. Wird jedoch Hilfe benötigt, kann diese hinzu gebucht werden. So ist es beispielsweise möglich, am gemeinsamen Mittagessen teilzunehmen oder sich der Kaffeerunde anzuschließen. Werden Pflegemaßnahmen benötigt, ist das Personal direkt im Haus. Leistungen die nicht mehr benötigt werden können selbstverständlich wieder abbestellt werden.

Den Senioren soll so ein Stück Lebensqualität erhalten bleiben und die Sicherheit gegeben werden, zu wissen, dass sie auch bei starker Pflegebedürftigkeit in ihrer eigenen Wohnung bleiben können und ihre medizinische und pflegerische Versorgung gesichert ist. Um die Selbstständigkeit und das barrierefreie Leben zu unterstützen gibt es in vielen solcher Seniorenwohnheimen kleine Supermärkte, Friseursalons und andere Geschäfte, die für die Senioren problemlos zu erreichen sind. Durch verschiedene Freizeitangebote soll das soziale Leben und die Integration, sowie der Austausch mit anderen Bewohnern gefördert werden. Betreutes Wohnen für Senioren ist eine gute und sinnvolle Alternative zu reinen Pflege- und Altenheimen, da sie den Bewohnern das Gefühl von zu Hause sein vermitteln.

Seniorenwohnen

Eine andere, in weiten Teilen ähnliche Variante bieten sogenannte Seniorenwohnungen. Diese sind altersgerecht und barrierefrei und befinden sich in normalen Wohnhäusern. Dabei können sie Miet- oder Eigentumswohnungen sein. Meist beinhaltet Seniorenwohnen ein Notrufsystem. In manchen Gegenden werden auch Wohnungen in Häusern mit gehobener Ausstattung angeboten. Diese verfügen dann zum Beispiel über Sauna, Fitnessraum oder Schwimmbad. Um die Wege der Senioren so kurz und barrierefrei wie möglich zu halten, zeichnet sich eine gute Wohnanlage durch Arztpraxen, Apotheken und Einkaufsmöglichkeiten in unmittelbarer Nähe zur Wohnung aus. Auch bei den Seniorenwohnungen ist für die ausreichende Betreuung im Pflegefall gesorgt.

So betreut beispielsweise ein häuslicher Pflegedienst die Bewohner wenn nötig. Auch hier können Leistungen in Anspruch genommen werden. Gemeinschaftsräume, zum Mittagessen oder ähnlichem, existieren in Gebäuden mit Seniorenwohnungen meistens nicht. Das Essen wird, wenn gewünscht von einem Zulieferer gebracht und kann dann in der eigenen Wohnung zu sich genommen werden. Ist die intensivere Pflege eines Bewohners erforderlich ist auch dies möglich und vorgesehen. Auch Seniorenwohnungen können ein Gefühl von zu Hause sein vermitteln und ermöglichen es Senioren auch im hohen Alter und bei Pflegebedürftigkeit, in der gewohnten Umgebung wohnen bleiben zu können und nicht den Weg ins Pflegeheim suchen zu müssen.

Wohnen im Alter – Projekte zur Verbesserung der Wohnsituation von Senioren

Politisch und gesellschaftlich ist man sich der bevorstehenden Situation bewusst und arbeitet an Lösungsansätzen und Konzepten, das Wohnen im Alter individuell an die jeweilige Situation der älteren Menschen und deren Bedürfnisse anzupassen und zu verbessern. Dabei dürfen nicht nur bauliche Maßnahmen zum barrierefreien Leben eine Rolle spielen. Es gibt auch viele Menschen, die intensivere pflegerische Maßnahmen brauchen und zum Beispiel bettlägerig sind, die aber dennoch in ihrer gewohnten Umgebung leben bleiben wollen, da das für sie ein Mehr an Lebensqualität bedeutet. Auch deren Sicherheit muss beim Umdenken eine Rolle spielen. Dabei sollte man nicht außer Acht lassen, dass die gesetzliche Pflegeversicherung für ambulante Pflegemaßnahmen weniger zahlt als für Patienten in stationärer Behandlung.

Wer also auch im Pflegefall lieber in den eigenen vier Wänden leben möchte, der sollte frühzeitig über den Abschluss einer privaten Pflegezusatzversicherung nachdenken. Ein Projekt aus dem Förderprogramm „Soziale Innovationen für Lebensqualität im Alter“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung aus den Jahren 2009-2010 soll im Folgenden vorgestellt werden.

“ReduFix Ambulant”

Nicht alle Senioren sind vergleichsweise gesund. So gibt es auch ältere Menschen, die aufgrund von Krankheiten zu selbstverletzenden oder andere Menschen schädigenden Verhaltensweisen neigen. Auch Patienten mit Demenz, die sich häufig nicht alleine zu Recht finden, da ihr Orientierungssinn gestört ist, benötigen ständig Hilfe. Befinden sich diese Patienten nicht in stationärer Pflege, sondern werden ambulant von professionellen Pflegerinnen und Pflegern oder aber von den Verwandten betreut, stehen sie meist nicht unter konstanter Beobachtung. Viele dieser Patienten werden deshalb in ihren Wohnungen eingeschlossen, an das Bett oder den Stuhl gefesselt oder mit starken Medikamenten sediert.

“ReduFix Ambulant” hat sich deshalb verschiedene Ziele gesetzt. Zum einen sollen fundierte Erkenntnisse zum Einsatz und zur Häufigkeit von sogenannten freiheits- und bewegungseinschränkenden Maßnahmen gewonnen werden, zum anderen, sollen Möglichkeiten gefunden werden, das Wohnen der Betroffenen auch ohne bewegungseinschränkende Maßnahmen sicher zu gestalten und ihnen so ein Stück Lebensqualität zu erhalten. Zusätzlich hierzu hat man sich vorgenommen, die Bevölkerung für dieses schwierige Thema zu sensibilisieren und die rechtlichen Fragen zu klären, die mit den freiheits- und bewegungseinschränkenden Maßnahmen in Zusammenhang stehen.

Die Untersuchungsgebiete sind dabei bewusst zwei verschiedene. Die statistischen Erhebungen werden in der Großstadt Frankfurt und in ländlicher Umgebung, im Landkreis Breisgau Hochschwarzwald durchgeführt. Somit kann man auch die Unterschiede zwischen urbanem und ländlichem Leben erfassen. Durch das Projekt erwartet man sich Ergebnisse, die auf dem gesamten Bundesgebiet Verwertung finden können.

Anhand der gewonnenen Erkenntnisse sollen dann gezielte Schulungen von Pflegediensten und pflegenden Angehörigen zur Reduzierung von bewegungseinschränkenden Maßnahmen stattfinden. Zudem soll die Bildung von Netzwerken aus Nachbarn und Pflegepersonal gefördert werden, um einen weiteren Schritt in Richtung Sicherheit der Senioren machen zu können. Ein aufmerksamer Nachbar, der die Erkrankung des Patienten kennt und weiß, wie er sich in einer konkreten Situation verhalten muss, kann dazu beitragen, dass das selbstständige Wohnen von Senioren mit den genannten Krankheitsbildern, trotz dieser Krankheiten ermöglicht werden kann und kein stationärer Aufenthalt in einem Pflegeheim nötig wird. Dadurch kann dem Betroffenen ein ganzes Stück Lebensqualität erhalten bleiben. Das Projekt ReduFix Ambulant fand unter anderem in Zusammenarbeit der Fachhochschule Frankfurt am Main mit der Evangelischen Hochschule Freiburg und der Deutschen Alzheimer Gesellschaft statt. Die Fördersumme des Bundes belief sich insgesamt auf etwas mehr als ein halbe Million Euro.

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