Eine Truhe voll Erinnerungen: Austausch zwischen Jung und Alt hilft bewahren und bewältigen

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Wenn Opa von damals erzählt und durch seine Schilderungen die Vergangenheit wieder lebendig werden lässt, können die Jugendlichen oft kaum glauben, was sie da hören. Wer kennt heute noch Entbehrungen, wie sie die Kriegsgeneration durchmachen musste? Erfahrungen der Flucht, des Bombenalarms, von Zwangsarbeit und Gefangenschaft sind den jungen Leuten glücklicherweise fremd und muten an wie Märchen aus fernen Welten. Lange Zeit waren die Erlebnisse mit dem Nationalsozialismus für viele alte Menschen eine so belastende Erinnerung, dass es ihnen schwerfiel, darüber zu reden. Doch um sie zu verarbeiten, ist Verdrängung der schlechteste Weg und sie nimmt auch den nachkommenden Generationen die Chance, die Kriegszeiten im realistischen Licht zu sehen. Ein Dialog ist nötig und gut.

Unbewältigte Schrecken des Krieges belasten

Nicht nur deutsche Senioren haben viel von den Schrecken des Krieges zu berichten, auch viele russische Männer und Frauen leiden noch heute unter den Erfahrungen des Krieges und der Kriegsgefangenschaft. Opfer des Faschismus waren damals auch viele russische Kinder, die verschleppt wurden in deutsche Lager oder sogar hier in Gefangenschaft geboren wurden. Zurück in Russland leiden viele von ihnen noch heute unter psychosozialen Störungen und leben zum Teil isoliert, wurden sie doch nach ihr Rückkehr nach Russland in großer Zahl nach Novosibirsk deportiert. Den nachfolgenden Generationen von ihren Ängsten und ihren Schreckenserinnerungen zu berichten, kann auch ihnen helfen und den kommenden Generationen diesen Teil ihrer Geschichte in der Erinnerung erhalten.

Zeitzeugen geben Erinnerungen an junge Leute weiter

Ein beachtenswertes Beispiel, wie der Austausch zwischen den Generationen auch gleichzeitig mit einem Dialog und Hilfe über Grenzen hinweg verbunden werden kann, ist das Projekt „Zukunft braucht Erinnerung“, das die Bundesarbeitsgemeinschaft Seniorenbüros von 2005 bis 2008 in Zusammenarbeit mit russischen Partnern in Novosibirsk durchgeführt hat. Junge Studierende der Universität Novosibirsk und ehemalige Opfer von Nationalsozialismus und Faschismus kamen als Partnerschaften zusammen. Die jungen Leute boten ganz praktische Hilfe und Betreuung und Begleitung im Alltag an, die älteren Teilnehmer hatten dafür Gelegenheit, ihre Erinnerungen und Erzählungen an interessierte Zuhörer weiterzugeben. Die Erfahrungen während der drei Projektjahre waren ausgesprochen positiv und können und sollen jung und alt ein Ansporn sein, sich einander mehr zuzuwenden.

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