Empfängerzahl und Struktur der Sozialen Pflegeversicherung
Um einen Einblick in die finanzielle Lage der Sozialen Pflegeversicherung zu erlangen, bedarf es einer ausführlichen Analyse der Empfängerzahl und –struktur im Zeitverlauf. Die Daten hierfür liefert das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) mit einer im Mai 2010 erschienenen Statistik.
Die Anzahl der Leistungsempfänger stieg demnach bis Ende des Jahres 2008 auf über 2,1 Mio. an. Wird diese Zahl mit der des Jahres 1996, dem Jahr nach Inkrafttreten der zweiten Stufe des PflegeVG, ins Verhältnis gesetzt, hat die Soziale Pflegeversicherung seitdem einen Anstieg der Leistungsempfänger von knapp 37 Prozent zu verzeichnen. Festzustellen ist dabei, dass die Empfängerzahlen im ambulanten und stationären Bereich in einer unterschiedlich starken Intensität gewachsen sind. Die Anzahl der ambulant versorgten Leistungsempfänger ist seit 1996 jährlich um 1,8 Prozent angewachsen und die Empfängerzahl im stationären Bereich ist seit 1997 jährlich mit einer Wachstumsrate von 3,6 Prozent gestiegen.
Um die Ausgabenentwicklung der Sozialen Pflegeversicherung aufzuzeigen gilt es, die Verteilung der Pflegefälle auf den ambulanten und stationären Bereich und die Verteilung der Pflegebedürftigen auf die einzelnen Pflegestufen mit der Aufteilung der ambulanten Leistungsbezieher auf Sach- bzw. Geldleistungen zu verknüpfen. Die unterschiedlichen Pflegesätze, nehmen dabei im Zusammenspiel mit der Verteilung der Leistungsempfänger eine zentrale Rolle bei der Ausgabenentwicklung im Zeitverlauf ein.
Die Leistungsbezieher der Sozialen Pflegeversicherung auf einen Blick
In dieser Tabelle sind die Leistungsbezieher der Sozialen Pflegeversicherung (SPV) für den Zeitraum 1995 bis 2009 dargestellt. Die Zahlen basieren auf den Darstellungen des Bundesminsisterium für Gesundheit (BMG) aus dem Jahr 2010.| Jahr | Empfänger stationärer Leistungen | Empfänger ambulanter Leistungen | Anteil der Pflegestufe I | Anteil der Pflegestufe II | Anteil der Pflegestufe III |
|---|---|---|---|---|---|
| 1995 | 1.061.418 | 1.061.418 | - | - | - |
| 1996 | 1.546.746 | 1.162.184 | 40,1 | 43,3 | 16,6 |
| 1997 | 1.659.948 | 1.197.677 | 43,9 | 40,7 | 15,4 |
| 1998 | 1.738.118 | 1.226.715 | 46,3 | 39,3 | 14,5 |
| 1999 | 1.826.362 | 1.280.379 | 47,8 | 38,3 | 14,0 |
| 2000 | 1.822.169 | 1.260.825 | 49,0 | 37,5 | 13,5 |
| 2001 | 1.839.602 | 1.261.667 | 49,8 | 36,9 | 13,2 |
| 2002 | 1.888.969 | 1.289.152 | 50,6 | 36,3 | 13,1 |
| 2003 | 1.895.417 | 1.281.398 | 51,2 | 35,8 | 12,9 |
| 2004 | 1.925.703 | 1.296.811 | 51,5 | 35,6 | 12,9 |
| 2005 | 1.951.953 | 1.309.506 | 51,8 | 35,3 | 12,9 |
| 2006 | 1.968.505 | 1.309.751 | 52,5 | 34,7 | 12,8 |
| 2007 | 2.029.285 | 1.358.201 | 53,1 | 34,2 | 12,7 |
| 2008 | 2.113.485 | 1.432.534 | 53,8 | 33,7 | 12,5 |
| 2009 | 2.243.266 | 1.541.098 | 54,5 | 33,3 | 12,3 |
Die Ausgabenseite der Sozialen Pflegeversicherung weist demzufolge seit dem Jahr 1996 eine kontinuierliche Abnahme der Geldleistungen auf. Im Gegenzug ist eine stetig wachsende Ausgabenerhöhung für Pflegesachleistungen zu beobachten. Zum Einen ist dies auf den Trend von der ambulanten– hin zur stationären Pflege zurückzuführen. Zum Anderen fand eine Verschiebung innerhalb der häuslichen Pflege statt. Die steigende Anzahl von Sachleistungsempfängern geht einher mit höheren Ausgaben für diesen Bereich.Häcker und Raffelhüschen kristallisieren in ihrer Arbeit aus dem Jahre 2008 „[...] zwei Formen der Verschiebung in der Nachfrage nach der Art der Pflegeleistung [...]“ (Häcker/Raffelhüschen (2008), S. 13) heraus. Für den Zeitraum 1996 bis 2006 attestieren sie einerseits die Verschiebung von der selbstorganisierten familiären Pflege hin zur professionellen ambulanten Pflegeleistung. Andererseits stellen sie einen Trend fest, der weg von der ambulanten und hin zur stationären Pflege tendiert.Die Begrifflichkeiten „Hospitalisierungstrend“ bzw. „Heimsog-Effekt“ umschreiben dabei diese tendenzielle Entwicklung hin zur stationären Pflege.Durch den Wechsel der Leistungsformen, von „günstig“ zu „teuer“, lässt sich ein Anstieg der Pflegeausgaben pro Leistungsfall vermuten. Die Daten zeigen jedoch auf, dass die durchschnittlich gesamten nominalen Pflegeausgaben der Sozialen Pflegeversicherung ein konstantes Niveau seit 1997 aufweisen.
