Wie fühlt man sich als alter Mensch?

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In manchen alten Sprichwörtern steckt mehr Weisheit, als wir mit langen Erklärungen vermitteln können. So zum Beispiel in der Indianerweisheit: „Urteile niemals über einen Menschen, ehe du nicht zwei Monde in seinen Mokassins gelaufen bist.“ Die Ansichten, Probleme, Beschwerden, Stimmungen und Verhaltensweisen des anderen sind in großem Maß von seiner Lebenssituation und seinen persönlichen Umständen geprägt; Außenstehenden können sie oft nur schwer nachvollziehen.

Wenn die Fähigkeiten und Kräfte nachlassen

Mit dem Verständnis für ihr Gegenüber haben besonders Angehörige, Betreuer und Pfleger von alten Menschen zu kämpfen. Die nachlassenden motorischen und sensorischen Fähigkeiten, die körperlichen Einschränkungen und nachlassenden Kräfte nachzuempfinden ist nicht einfach. Und doch ist gerade das eine wichtige Voraussetzung dafür, die Bedürfnisse der Senioren richtig einzuschätzen, ihr Umfeld daran anzupassen und verständnisvoll auf sie einzugehen. Zu leicht reagiert man ungeduldig und unangemessen, wenn der andere nicht so reagiert, wie man es eigentlich erwartet. Aus dem Unverständnis heraus entstehen Konflikt- und sogar Gefahrensituationen.

Am eigenen Körper erleben, wie es Senioren ergeht

In den Schuhen des anderen laufen – warum sollte das eigentlich nicht möglich sein? Diese Frage stellten sich Mitarbeiter des Meyer-Hentschel-Instituts in Saarbrücken schon vor einigen Jahren und machten sich unter der Fragestellung „Wie kann man jüngere Menschen die körperlich eingeschränkte Lebenssituation von Senioren nachempfinden lassen?“ an die Arbeit. 1995 präsentierten sie eine ausgefallene, aber effektive Lösung: den Age-Explorer. Dabei handelt es sich um einen Anzug, mit dem die altersbedingten Einschränkungen nachgestellt werden. Das eingefärbte Visier des Helmes beispielsweise simuliert die veränderte Farbwahrnehmung und Sehschärfe. Das Blickfeld und auch das Hörvermögen werden durch diese geschlossene Kopfbedeckung beeinflusst und am Körper verteilte Gewichte und Polster machen den Kräfteschwund und die Bewegungseinschränkungen deutlich. Handschuhe imitieren die Schwierigkeiten beim Zugreifen und bei alltäglichen Tätigkeiten.

So manchem öffnet der Age-Explorer die Augen

Vor allem Pflegedienste und Betreuungseinrichtungen arbeiten heute regelmäßig auf Schulungen mit dem Age-Explorer und lassen ihre Mitarbeiter auf diese Weise nicht nur in die Schuhe, sondern sogar in die Haut der betreuten Senioren schlüpfen. Die Pfleger, denen das Verkleiden zunächst wie ein großer Spaß vorkommt, sind dann schnell sehr betroffen von dem, was sie durch dieses Experiment erfahren. „Wie war ich doch ungerecht und unbarmherzig Frau Müller gegenüber“, so geht es dann manchem durch den Kopf. Die Senioreneinrichtungen und Pflegedienste, die derartige Mitarbeiterschulungen mit dem Age-Explorer durchgeführt haben, berichten von wachsendem Verständnis den älteren Menschen gegenüber, aber auch über ein besseres Arbeitsklima untereinander.

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